Patient erster Klasse - 3. Dezember 2010

Dass man als privat Versicherter ein gern gesehener Gast bei Ärzten und in Krankenhäusern ist, gehört wohl zu den am weitesten verbreiteten Klischees über die private Krankenversicherung. Doch ist das wirklich ein Klischee oder nicht vielmehr die reine Wahrheit?

Mehr dran, mehr drin

Die deutsche Ärzteschaft, besonders die der niedergelassenen Spezialisten, hat einen schlechten Ruf. Da heißt es zum einen, dass sie mit der Pharmaindustrie unter einer Decke stecken und für die Ausstellung der richtigen Rezepte auch schon mal Präsente und Reisen annehmen oder dass sie mit einer Überzahl von Patienten möglichst viel Geld machen wollen. Ab und zu werden Fälle bekannt, in denen Ärzte wegen der Lukrativität dieser Tätigkeit zum sogenannten Doc Holiday werden und Krankschreibungen ausstellen, ohne Fragen zu stellen. Krankschreibungen bringen ein gutes pauschales Honorar und dauern unter diesen Umständen nur wenige Sekunden. Außerdem sollen sie sich auf perfide Weise gerne auch mal weigern, Patienten aufzunehmen, die nicht bei der gewünschten Kasse versichert sind, etwa weil deren Kasse für übergenaue oder besonders bürokratische Abrechnungen unter den Ärzten bekannt ist. Allen gemeinsam wird jedoch vorgeworfen, dass Privatpatienten grundsätzlich besser behandelt werden, eben erster Klasse.

Besondere Privilegien

Privatpatienten bekommen sofort einen Termin und müssen auch nie im Wartezimmer herum hocken. Auch das ein gängiges Klischee. Tatsache ist, dass Ärzte von Privatpatienten sofort ihr Geld bekommen und zum Teil auch höhere Kosten verlangen könne, da die Versicherten eine explizit bevorzugte Behandlung verlangen, die aber de Facto gar nicht viel teurer ist. Auch die Verschreibung des gewünschten Medikaments kommt einen Arzt nicht teurer als desjenigen das von der Kasse vorgeschrieben ist, der Patient aber bringt mehr Geld ein. Im Krankenhaus ist das ähnlich. Die Patienten erfordern oft nur geringfügig mehr Arbeit, bringen aber verhältnismäßig viel mehr Geld ein. Kein Wunder also, dass es vorkommt, dass sich gesetzlich Versicherte als Patienten zweiter Klasse fühlen.

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